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Stressmanagement im Advent: Das UNISON Burnout-Prävention Programm (Teil 4: Motivation)

11

Dezember

UNISON_meinklang-Blog_Das UNISON Burnout-Prävention Programm

In Teil 1 dieser Artikelserie beschrieb ich die sieben Merkmale der Salutogenese und gab Ihnen salutogenetische Leitfragen mit auf den Weg, damit Sie Ihre “ganz individuelle Note” in die Umsetzung und Gestaltung Ihres Stressmanagements einbringen. Auf sich selbst zu hören ist ein wichtiger Baustein  Ihrer persönlichen Motivation.

In Teil 2 der Artikelserie ging es darum, dass Sie jederzeit neu die Entscheidung treffen können und müssen, gut für sich zu sorgen und Eigen-Verantwortung zu übernehmen – ich nenne das die Aktivierung der eigenen Selbstfürsorgedisziplin. Ohne Motivation geht das nicht! 

In Teil 3 dieser Serie schließlich sprachen wir darüber, dass Stressmanagement immer ganz grundlegend bei drei Punkten ansetzt: den äußeren Alltag stressfreier zu gestalten, förderliche innere Einstellungen und Bewertungen zu entwickeln und zu lernen, sich zu entspannen und zu erhohlen. Auch hierfür braucht es echte Motivation.

Wie aber kann ich eine solche Motivation entwickeln?

Der Weg der kleinen Schritte

Motivation zur Veränderung setzt nach der Burnout-Expertin Katharina Straesser einerseits die Akzeptanz der Situation voraus und andererseits das Vertrauen, dass es einen Ausweg gibt aus der gegenwärtigen Krise.  Wenn ich mich einmal entschieden habe, mir Hilfe zu holen und zu hören bekomme: „Gut, dass Du diesen Schritt gemacht hast. Jetzt ist absehbar, dass Du da durchkommst“ – das entlastet ungemein!

Damit beginnt der Weg der kleinen Schritte. Ein Drehen an ganz vielen kleinen Rädchen, wie ich sie z.B. in den Akutstrategien des UNISON Burnout Programms im Dezember Newsletter beschrieben habe oder wie ich sie im regelmäßig stattfindenden Tag der offenen Tür mit Kostproben meiner Arbeit aus Stressbewältigung und Burnout-Prävention vorstelle. Viele Betroffene haben laut Straesser die Vorstellung, man könne irgendeinen Schalter umlegen und alles sei dann wieder so wie früher. Das ist nicht möglich. Was aber möglich ist, ist lauter kleine Puzzlesteine eines konkreten, auf den Betroffenen zugeschnittenen Balance-Plans  für Körper, Nervensystem, Geist und Seele zusammenzufügen und so Schrittchen für Schrittchen aus der Überforderungskrise herauszukommen. Und hier geht es wirklich um kleine, machbare Schritte. Leistungsdruck und Überforderung haben die Krise schließlich herbeigeführt!

Das Gehirn ist konservativ

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Motivation ist eine starke positive Emotion, die mich dazu bringt, neue Gewohnheiten anzunehmen und einzuüben. Warum ist das so?

In einer Stresssituation schaut das Gehirn gewissermaßen in seinen inneren Karteikasten mit „bewährten“ Verhaltensstrategien. Da steht zum Thema Stressbewältigung dann z.B. eine Karte mit der Aufschrift: „Abends ein Glas Wein trinken (oder zwei), um besser zu schlafen“ oder „Auf den abendlichen Lauftreff verzichten, um morgens eine Stunde früher in der Firma zu sein“ oder „Immer wieder zur Espressomaschine zu greifen, um das Denken in Schwung zu bringen“.  Das Gehirn verlässt sich dabei auf die Gewissheit, dass es mit diesen Strategien ja bisher „überlebt“ hat, und so wird bei der Auswahl einer solchen Karteikarte auch noch das körpereigene Belohnungszentrum aktiviert: „Hast Du prima gemacht, eine solche Strategie auszuwählen, die in der Stresssituation funktioniert!“

Wenn es also darum geht, solche kurzsichtigen und zum Teil sogar kontraproduktiven Anti-Stress-Strategien durch neue, nachhaltige und positive Gewohnheiten zur Stressbewältigung zur ersetzen, muss das Motivationslevel höher als das interne Belohnungszentrum sein  – und das ist nur durch eine starke Emotion zu erreichen! Was aber könnte so eine Emotion sein?

Ich komme da raus!

Wenn ich mit fachkundiger Unterstützung erkenne, dass selbst Krisen ihren gesetzmäßigen Verlauf haben, und wenn ich beginne, die eine oder andere Stellschraube meines inneren und äußeren Lebens zu verändern, werden sich bald erste Erfolge einstellen. Und ich weiß plötzlich: Ich werde diese Stresskrise bewältigen. Ich komme da raus!

Auch das Wissen darum, dass man in der Rückschau aus Krisen immer etwas lernt, dass sie das eigene Leben sogar im Nachhinein bereichern können, unterstützt die eigene Motivation zur Veränderung.

Zuletzt mögen Worte, die schon im 12. Jahrhundert Bernhard von Clairvaux in einem Brief an Papst Eugen III schrieb, zeigen, dass das Problem der Selbstmotivation gar nicht so neu ist und dass schon damals die Lösung darin bestand, geduldig Fuß vor Fuß zu setzen – was mir vielleicht nicht immer möglich ist, aber immer öfter:

„Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum sollst einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: „Tu das immer.“ Ich sage nicht: „Tu das oft.“ Aber ich sage: „Tu das immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

 

 

 

 

 

 

 

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