meinklang

Das Gute sehen: Eigene Kraftquellen erkennen und akzeptieren

25

Juli

UNISON _meinklang-Blog_Ressourcenstärkung

Spricht man im Französischen davon, Ressourcen zu haben – avoir de la ressource– dann meint das soviel wie: sich nicht unterkriegen zu lassen oder sich zu helfen wissen. Beides ist vor allem in herausfordernden Lebenssituationen eine wesentliche menschliche Kompetenz.

Doch woher stammen diese persönlichen Kraftquellen, die es dem einen Menschen ermöglichen, Herausforderungen zu meistern, an denen ein anderer zerbricht?

Körperliche, geistige, emotionale und soziale Potenziale nur durch genetische Veranlagung zu erklären („Die Mutter war auch schon so eine Powerfrau“) greift sicher zu kurz. Doch allein die psychologische Biographie und soziale Prägung heranzuziehen ist ebenso einseitig, hieße das doch, die Verantwortung für mangelnde Lebensbewältigung an die Herkunftsfamilie abzugeben („Meine Mutter ist schuld, dass ich nicht…“). Ganz im Gegenteil zeigt die Erfahrung, dass durch schwierige Situationen bei vielen Menschen Bewältigungspotenziale erst herausgekitzelt werden, um körperlich, geistig oder seelisch zu überleben. Und um nichts anderes geht es.

Der Mensch ist angelegt als ein Überlebenskünstler. So wie man oft Pflanzen beobachten kann, die unter den erstaunlichsten Umständen in Mauerritzen spriessen oder an nackten Steilwänden einwurzeln, hat jedes Individuum ein großes Reservoir an Mitteln und Quellen, um weiterzugehen. Doch kann ich diesen Pool an inneren Erfahrungen, Fähigkeiten, Stärken und Talenten in mir wahrnehmen? Kann ich diese Quellen von „Heil-Sein“, die von meinem Kindheitshund bis zu Gott reichen können, als mir gehörig annehmen, anstatt im Groll auf irgendetwas, das mir vermeintlich (in meiner Kindheit) vorenthalten wurde, steckenzubleiben?

Die Aktivierung von inneren und äußeren Kompetenzen und Ressourcen hängt davon ab, ob ich bereit bin, die Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen.

Persönliche Ressourcenaktivierung hängt auch davon ab, ob mein soziales Umfeld mir gegenüber eher unterstützend (sprich: ressourcenfördernd) eingestellt ist. Oft ist das Aussen nur ein Spiegel des Innen: je mehr ich ein bejahendes Verhältnis zu meinen inneren Ressourcen finde, desto uninteressanter werden Kontakte, die mich „runterziehen“.

In den vielen Jahren, in denen ich nun Selbsterfahrungsgruppen zur Achtsamkeitsschulung und Ressourcenstärkung leite, habe ich immer wieder feststellen können, dass „den Blick zu wenden“ und „das Gute zu sehen“ die Basis jeder gelungenen Psychotherapie sind, mehr noch, menschliche Grundkompetenzen, damit Leben nicht nur „überleben“ heißt, sondern „erblühen“. Das ist mir ein Herzensanliegen – darum gibt es bei UNISON jeden Monat Gruppen in achtsamer Selbstwahrnehmung und ressourcenorientierter Selbstfürsorge.

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